Arbeit entwickeln

Arbeit entwickeln macht sicher Arbeit und nicht nur das ...
... Arbeitsentwicklung ist auch anstrengend. Wer ein Produkt verbessern oder eine neue Dienstleistung schaffen will, wer gar Innovatives hervorbringen und verkaufen will, begibt sich auf einen schweren Weg. Oft nicht freiwillig, aber dann doch, weil es mittlerweile der einzige Weg ist, der Perspektiven sichert.
Wer heutzutage nicht wirklich was Gutes zu bieten hat, muß um seine berufliche und unternehmerische Existenz fürchten. Qualifiziertes Personal, moderne Arbeitsplätze, effiziente Organisation und intensives Marketing sind wesentliche Erfolgsfaktoren. Der Kern und die Substanz des Erfolges aber ist in jedem Falle das Produkt bzw. die Dienstleistung.
Das gilt für die Unternehmen der Wirtschaft, wie für die Verwaltungen. Das gilt für Kulturbetriebe genauso wie für Hochschulen. Das gilt für soziale Institutionen, für Berufsverbände und auch für Massenorganisationen. Sie alle haben nur Perspektive, wenn sie etwas Substantielles tun.
Die Chefs und Manager haben das längst erkannt. Sie sagen "Wir müssen was tun!". Sie arbeiten an Visionen, an Ideen und großen Projekten und merken doch nicht, daß die Entwicklungen im eigenen Hause schon längst im Gange sind. Merken auch nicht, daß viel zu viele Entwicklungen im eigenen Hause abbrechen oder im Sande verlaufen.
Woran sollen sie es auch merken? Entwicklungen beginnen Innen, beim Einzelnen und oft klein. Auch die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Es ist der einzelne Mensch, der Mitarbeiter, der das Potential für die Entwicklung eines neuen Produktes oder einer neuen Dienstleistung in sich trägt und es ist nicht jeder Einzelne.
Im Gegenteil: es sind ganz bestimmte Menschen, die neue Produkte oder Dienstleistungen entwicklen werden. Doch zu sehen ist da erstmal nicht viel, denn das Potential und der Beginn liegt in diesen bestimmten Einzelnen und die wissen am Anfang oft selbst (noch) nichts davon.
Für die Unternehmer und Manager ist es aber gut zu wissen, wie solche Arbeitsentwicklungen beginnen, um diese fördern zu können. Für Unternehmer und Manager ist es auch gut zu wissen, was die kritischen Punkte -die Abbruch- und Versandungsgefahren- solcher Entwicklungen sind, um vorzubeugen und so die Entwicklung in Gang zu halten. Unternehmer und Manager sollten deshalb wissen, was die Besonderheiten bei Arbeitsentwicklungen sind.

Arbeit entwickeln heißt erst einmal unzufrieden sein
Die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren beginnt keineswegs mit einem Traum oder mit einem frohen Entschluß. Vielmehr sind es Unzufriedenheit und permanente Frustration, die bei einem Menschen einen Innovationsschub einleiten. Es ist die Unzufriedenheit, die Veränderungen vorbereitet. Unzufriedene wollen, daß sich was ändert (und damit sind sie schon einen Schritt weiter als die Zufriedenen). Doch Unzufriedenheit allein, bewirkt noch keine Innovation. Sie bereitet Innovation lediglich vor.
Für das Schaffen von Verbesserungen und Innovationen braucht es neben der Unzufriedenheit ein "Ich". Arbeitsentwicklung braucht einen Menschen, der sagt "Ich muß was ändern!". Menschen, die unzufrieden sind und selbst etwas ändern wollen, sind also auf alle Fälle Kandidaten für Arbeitsentwicklung. Doch nicht alle, die selbst etwas ändern wollen, machen sich an das Schaffen eines neuen Produktes oder einer neuen Dienstleistung.
Das hängt vor allem damit zusammen, daß Menschen, die selbst etwas ändern wollen, das auf verschiedene Weisen realisieren: Entweder sie versuchen, selbst besser zu werden. Dann entwickeln sie ihre eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Qualitäten. Sie beginnen zu lernen, zu studieren, besuchen Seminare und Trainingskurse. Oder aber sie versuchen, "einen Stoff" zu verbessern. Dann basteln sie, recherchieren, experimentieren und entwickeln so Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren.
Arbeitsentwicklung, das Schaffen neuer Produkte und neuer Dienstleistungen ist vor allem von der zweiten Gruppe zu erwarten: von Menschen, die sich weniger um die Vollkommmenheit ihrer eigenen Person, dafür vielmehr um die Vollkommenheit "eines Stoffes" -eines Produktes, einer Dienstleistung- sorgen.

Am Anfang von Arbeitsentwicklung steht kein Ziel, sondern ein Trieb
Es ist nicht ein Ziel, daß am Anfang des Entwicklungsprozesses steht, sondern der Trieb des Einzelnen, etwas in der Arbeit -am Produkt, an der Dienstleistung, am Verfahren- zu ändern.
Diese Beobachtung steht zwar in direktem Gegensatz zu den Theorien der Arbeits- oder Organisationspsychologie, die ja das Ziel als Basis und Ausgangspunkt von Entwicklungen betrachten. Der einzelne Entwickler hat aber noch kein Ziel. Er hat eine innere Notwendigkeit, einen inneren Druck, etwas (am Produkt) zu verändern.
Diese innere Notwendigkeit, etwas ändern zu müssen, etwas Neues machen zu müssen, ist aber noch kein Ziel und sie ist auch noch keine Idee für ein neues Produkt. Der feste Entschluß, selbst etwas Neues zu machen, ist eher da als die Vorstellung, was das Neue denn sein könnte oder ein konkretes Ziel.
Wir sehen den betreffenden Menschen in einer hohen Anspannung. Er hat einen inneren Druck, etwas schaffen zu müssen und gleichzeitig eine ziemliche Unklarheit über das "was" und die eigenen Bestrebungen, ja oft sogar Unklarheit über die eigenen Möglichkeiten
Arbeit entwickeln heißt also eigene Ziele suchen und finden zu müssen. Die Entwickler müssen sich darüber im Klaren werden, welchen Zweck sie verfolgen und welchen Sinn sie realisieren wollen. Und das alles: das Nachdenken über den Sinn und den Zweck, das Erarbeiten eigener Ziele ist wesentliche Innovationsarbeit. Das Finden eigener Ziele ist Teil des Schaffens von Innovationen und es ist gleichzeitig Resultat eines (großen) eigenen Entwicklungsschrittes des Entwicklers.

Arbeitsentwicklung erfordert die Eigenheit des Entwicklers
Eigenheit, das sind die persönlichen Besonderheiten des Entwicklers. Es sind seine Ideen und Ansprüche. Es ist sein Spürsinn für Änderungen und es ist seine Art, auf "Stoffe und Werke" zu schauen. Es ist seine Art, die Dinge zu behandeln. Die Eigenheit des Entwicklers, das sind seine Qualitäten, ist sein Eigensinn und seine Leidenschaft.
Dieses Eigene des Entwicklers ist direkte Grundlage für die eigene Innovation. Es ist das eigentliche Potential für die Innovation. Das Eigene ist die Substanz der eigenen Entwicklung und der eigenen Neuerung. Der Entwickler müßte dieses Eigene direkt in den Stoff transportieren, im Stoff produktiv machen. Das erleben wir allerdings nur selten.
Zum einen macht der Entwickler sein Eigenes nicht produktiv, weil er oft kaum Bewußtsein darüber hat. Entwickler kennen oftmals ihre eigentlichen Qualitäten, ihre Eigenheiten, ihre Kräfte und Möglichkeiten viel zu wenig. Zum anderen macht der Entwickler sein Eigenes nicht produktiv, weil er es schnell wieder aus den Augen verliert, wenn er sich mit Fragen des Fachgebietes, der Kooperation, mit Fragen des Marktes, der Region, der Finanzen, etc. auseinandersetzt. Diese notwendigen und wahrlich nicht uninteressanten Auseinandersetzungen lenken aber den Entwickler vom Eigenen ab.
Doch der Entwickler braucht dieses Eigene, seine Eigenheit für die eigene Innovation. Das Eigene ist die Basis der Innovation und der Entwickler muß sein Eigenes in der Betrachtung und Bearbeitung von Fach- und Marktfragen immer im Auge behalten. Gelingt dies nicht, schafft es der einzelne Entwickler nicht, sein Eigenes in der Betrachtung von Fachfragen, Marktfragen, Geldfragen, juristischen Fragen etc. im Auge zu behalten und produktiv zu entfalten, so wird es ihm nicht gelingen, etwas Eigenes und Neues zu schaffen. Im Gegenteil, die Ablenkung vom Eigenen, das Vernachlässigen oder Vergessen des Eigenen führt zu Nachahmung und Anpassung. Es führt zur Bedienung von Trends und Modeerscheinungen, nicht aber zu Entwicklung und Innovation. Innovationen erhalten wir dort, wo der Einzelne am Eigenen festhält, wo er eigensinnig ist und eigensinnig bleibt.

Arbeitsentwicklung ist ein mißerfolgsreicher Prozeß
Die Entwicklung von Neuem ist für den Entwickler erst einmal ein mißerfolgsreicher Prozeß. Damit ist nicht das Scheitern der Innovation gemeint, sondern vielmehr die Tatsache, daß der Entwickler all das erfährt, was schwierig ist, was nicht geht und was er selbst (noch) nicht vermag. Und er muß das alles persönlich erfahren.
Entwickler begeben sich mit ihrem Nachdenken, Untersuchen, Recherchieren, Basteln und Experimentieren auf ein neues Gebiet. Sie denken über ungewohnte Wege nach und müssen viele Schritte auf Neuland setzen, müssen also auch viele Erfahrungen wirklich selbst machen. Sie lernen so Schritt für Schritt einen neuen Weg kennen und sie lernen auch neue Unwegsamkeiten und neue Unzugänglichkeiten kennen. Gleichzeitig lernen sie sich aber auch selbst kennen: ihre eigene Art und Weise neue Wege zu entdecken und neue Wege zu gehen, ihre eigene Art und Weise ungewohnte, schwierige, offene und riskante Situationen zu meistern. Hier, im Unbekannten, Ungewissen, Zweifelhaften und Riskanten vorwärts zu kommen, ist für den Entwickler keineswegs ein Siegeszug. Es ist für ihn mißerfolgsreich und oft eine mühsame Schinderei.
Aber das persönliche Erfahren von Schwierigkeiten und Mißerfolgen ist ebenso reich an Lernen. Der Entwickler erfährt so ziemlich alles persönlich. Er muß es erfahren, bevor er die Alternativen erkennen kann. Die Mißerfolge zwingen den Entwickler zur Veränderung. Sie zwingen den Entwickler, wirklich innovativ zu werden.

Arbeitsentwicklungen brauchen Zeit
Entwicklungen brauchen Zeit, auch die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren. Dieser Fakt ist eigentlich eine Binsenweisheit, doch für Entwickler von heute ist das ein fremdes Wort und keineswegs selbstverständlich. Im Gegenteil, die Tatsache, daß Entwicklungen ihre Zeit brauchen und manchmal eben auch lange Zeit, wird für den Entwickler oft zu einer sehr schmerzlichen Erfahrung. Zeitdauer scheint von der heutigen Schaffenskultur ausgeblendet, zumindest in der öffentlichen Diskussion. Heutzutage muß alles schnell gehen und natürlich auch reibungslos.
Der einzelne Entwickler merkt aber, daß er nicht schneller kann. Er merkt, daß es Zeit braucht, ehe der richtige Gedanke kommt, daß es Zeit braucht, ehe er das richtige Wort oder die Lösung gefunden hat, daß es Zeit braucht, ehe das Neue wirklich geschaffen ist. Und er merkt, daß es Zeiten gibt, in denen überhaupt nichts vorwärtsgeht, in denen wirklich gar nichts zu passieren scheint, in denen das richtige Wort eben nicht gefunden wird, der gute Gedanke eben nicht kommt. Das ist für den Entwickler fremd und weiß Gott nicht beglückend.
Zeitdauer, auch Langwierigkeit kalkulieren ist Sache des Kopfes. Zeitdauer und Langwierigkeit persönlich zu (er-) tragen ist eine Sache, die den ganzen Menschen fordert. Der Entwickler braucht sehr viel Kraft, sein Herz, seine Nächte und seine Hoffnungen an eine Idee zu hängen und eben nicht aufzugeben, auch wenn die Realisierung möglicherweise Jahre dauert.

Arbeitsentwicklungen führen zur Erschöpfung des Entwicklers
Je mehr einer von sich verlangt oder je mehr eine Aufgabe vom Einzelnen verlangt, je intensiver eine Aufgabe den Einzelnen in Anspruch nimmt, desto leichter kann es geschehen, daß der Entwickler seine eigenen Kräfte überfordert.
Wir sehen den Entwickler dann niederdrückt und zermürbt. Er fühlt, daß er nicht mehr vorwärtskommt, er zweifelt mehr und mehr, ob seine Überlegungen und Forschungen überhaupt einen Wert hätten. Auch hat er mitunter große Mühe, das Gleichgewicht zu bewahren.
Das alles sind Symptome von Erschöpfung. Der Entwickler ist irgendwann von seiner Aufgabe ausgesaugt und erschöpft. Diese Erschöpfung ist Folge eines allzu eifrigen drauflos Schaffens, was wir vor allem bei Einzelkämpfern häufig finden. Der Einzelne stürzt sich in seine Aufgabe und merkt micht, daß er zuviel von sich verlangt. Er denkt an die Begrenztheit seiner Zeit, er bedenkt nicht die Begrenztheit seiner Kräfte.
Der Entwickler hat eine (selbstgewählte) Aufgabe, die ihn permanent anzieht und immer wieder fesselt und fasziniert. Er weiß nicht, daß es diese permanente Anziehung und Faszination ist, die ihn über kurz oder lang zermürbt und ermüdet.
Und wenn dann der Entwickler zerstreut und ohne Lust, verzweifelt und ohne Hoffnung über seiner Aufgabe sitzt, hat er nicht einmal ein Bewußtsein von seiner eigenen Erschöpfung. Er hat vielmehr das Gefühl nutzlos und gescheitert zu sein. Doch eigentlich ist er "nur" erschöpft. Der Entwickler muß lernen, seine eigenen geistig-seelisch-körperlichen Kräfte zu kalkulieren. Er muß lernen, seine Kräfte zu pflegen und einzuteilen und er muß lernen, sich hin und wieder vom Aktuellen zu distanzieren. Nur so wird er durchhalten und über lange Zeit und auch in schwierigen Situationen seine Kraft, seine Geduld und seine Gelassenheit bewahren.

Arbeitsentwicklungen sind extrem emotional
Die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren ist niemals ein vernünftiger und gemäßigter Schaffensprozeß, sondern zeichnet sich aus durch extreme emotionale Phasen.
Wir finden bei Entwicklern euphorische Aufbruchstimmung, enorme Glücksgefühle, große Jubel-Momente, auch das Gefühl eine ungeheure Entdeckung gemacht zu haben. Wir treffen hier ebenso unglaubliche Enttäuschungen, aggressive Ungeduld und totale Verzweiflung.
Entwickler erleben sehr hohe Höhen und sehr tiefe Tiefen. Und sie erleben das alles persönlich. Es sind ihre eigenen Emotionen. Dieses persönliche Erfahren der eigenen emotionalen Extrempunkte entscheidet maßgeblich über das Schicksal der Entwicklung, über den Abbruch oder auch das Voranschreiten der Innovation. Von daher verdienen diese extrem emotionalen Phasen besondere Aufmerksamkeit.
Arbeitsentwicklungen brechen ab, wenn Entwickler in ein (emotionales) Hoch geraten und meinen, jetzt haben sie es geschafft und so im Jubel verharren. Da passiert nichts mehr. Arbeitsentwicklungen brechen ab, wenn Entwickler in ein Tief geraten und meinen, jetzt sind sie endgültig gescheitert, wenn sie aufgeben und ihr Material vernichten.
Das Durchschreiten dieser emotionalen Extrempunkte ist ein persönliches Fortschreiten des Entwicklers und es dient im wahrsten Sinne des Wortes dem Fortschritt. Es dient direkt der Verbesserung und Vervollkommnung des Produktes. Das Durchschreiten der eigenen emotionalen Extrempunkte ist Bedingung für das Ingangbleiben eines Entwicklungsgeschehens.

Insgesamt müssen wir feststellen:
Arbeitsentwicklungen, das Entstehen neuer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren ist ein komplizierter Prozeß, der nicht getrennt werden kann vom einzelnen Menschen, von der Person des Entwicklers.
Produktverbesserungen, neue Dienstleistungen, Innovationen werden von Menschen gemacht. Es ist nicht der Markt, der das Entwicklungspotential hat, etwas Neues zu schaffen, sondern es ist der einzelne Mensch. Arbeitsentwicklungen gehen aus diesem einzelnen Menschen hervor: aus seinem Kopf, mit seinem Willen und seinen Qualitäten. Arbeitsentwicklungen scheitern, wenn der einzelne Mensch scheitert. Wer das Entstehen neuer Arbeit fördern will, muß den einzelnen Menschen, den Entwickler hilfreich und wirksam unterstützen.

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